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Mineralogie der Sankt Andreasberger Lagerstätte

Sankt Andreasberg ist als Fundort schöner und seltener Mineralien international bekannt. Diese Berühmtheit erlangte das Revier nicht so sehr durch die Menge des hier gewonnenen Silbers - insgesamt ca. 320 t - als vielmehr durch das Auftreten ganz außergewöhnlicher Silberminerale, die in spektakulärer Weise sogenannte Reicherzfälle bilden, sozusagen natürliche Schatzkammern im Inneren der Erde.

Hinzukommen Drusenhohlräume mit prachtvoll ausgebildeten Kalkspatkristallen die eine erstaunliche Formenvielfalt zeigen; des Weiteren verschiedene Arsen-, Antimon-, Nickel- und Kobaltminerale sowie zahlreiche, zum Teil seltene Vertreter aus der zu den Silikaten gehörenden Familie der Zeolithe.

Bis heute sind aus diesem Revier rund 150 Mineralarten beschrieben worden. Die Sankt Andreasberger Mineralgesellschaft (Paragenese) ist einzigartig! In dieser Kombination gibt es sie sonst nirgendwo anders auf der Erde. Nicht zu unrecht darf hier vom mineralogischen Schatzkästchen des Harzes gesprochen werden!

Samsonit - eine Rarität

Für einige Minerale gilt Sankt Andreasberg als Typlokalität, d. h. diese Verbindungen sind von hier zuerst beschrieben und wissenschaftlich untersucht worden. Beispiele wären Harmotom (1772, früher sogar Andreasbergolith genannt), Breithauptit (1833) oder Argentopyrit (1875). Der Name des letzten St. Andreasberger Bergwerks stand Pate für eins der weltweit seltensten und wohl berühmtesten Silberminerale, den Samsonit, der erst 1908 in der 29. Firste des Samsoner Hauptganges in 550 m Teufe von Bergrat Werner entdeckt wurde. Samsonit fand sich nur in zwei Drusen, aus denen insgesamt nur 80 kleine Kristallstüfchen geborgen werden konnten. Diese verteilen sich heute auf die großen Sammlungen in aller Welt. Eine absolute Rarität, für die manche private Sammler horrende Summen bezahlen würden! Exotisch ist auch die chemische Natur dieses Minerals, eine Silber Antimon-Mangan-Schwefel-Verbindung (Ag4MnSb2S6 ). 1910 kostete ein kleines Stückchen bereits 800 Reichsmark!

Das Drusenloch

Im Jahr 1785 wurde im Niveau des Sieberstollens auf dem Fünf Bücher Moses Gang ein 10 m langer und etwa 80 cm hoher Hohlraum entdeckt, dessen Boden und Wände mit bis zu 25 cm großen Kalkspatkristallen bedeckt waren. Diese Kristallkammer wurde oft beschrieben und in den mineralogischen Werken zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch als größtes Drusenloch der Welt angegeben.