Geologische Wanderungen
Die Regionen Oberharz liegt mitten im „GeoPark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen“, der einen spannenden Überblick über die wechselhafte Erdgeschichte der vergangenen 500 Mio. Jahre bietet.
Der Nationalpark Harz ist ein Bestandteil des Geopark-Netzwerkes, in dem die Erdgeschichte für Wanderer und Besucher anschaulich und begreifbar gemacht werden soll. Hier lässt sich die Entstehung der Landschaften besonders gut beobachten und „hautnah“ erleben.
Geologische Wanderungen im Überblick
Abenteuer Geowandern im Oberharz
Der Harz besitzt auf Grund seiner erdgeschichtlichen Entwicklung eine große geologische Vielfalt auf engem Raum. Zu deren Vermittlung wurde ein flächendeckendes Netz von Landmarken und Geopunkten eingerichtet, die sich natürlich am Besten auf einer geologischen Wanderung entdecken und erleben lassen.
Verschiedene Georouten weisen (Wander-)Wege zur Erdgeschichte des Geoparks und bieten Querschnitte durch die Geologie dieser Region. Begleitet werden sie von markanten, erd- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Stätten – den Geopunkten. Der Oberharz, das ist das Herzstück und gleichzeitig die höchstgelegene Region des Harzes. Auf 380 bis 928 m Höhe liegen die sechs Orte Altenau, Buntenbock, Clausthal-Zellerfeld, Sankt Andreasberg, Schulenberg und Wildemann. Vom Erdaltertum bis hin zur jüngsten Bergbaugeschichte finden sich hier zahlreiche Spuren der bewegten Vergangenheit.
Geologie trifft auf Poesie
Der Goetheplatz an den Hohen Klippen am Rehberg bei Sankt Andreasberg hat seinen Namen von keinem Geringeren als dem berühmten Dichter, der hier 1783 während seiner zweiten Harzreise Station machte.
Im späten 18. Jahrhundert tobte unter den Wissenschaftlern der „Basaltstreit“. Forscher hatten erkannt, dass der Basalt und andere Gesteine „dem Feuer“ (Magma und Vulkane) entstammten und nicht „dem Wasser“ (Sediment). Goethe und andere glaubten dagegen noch, die Gesteine entstammten dem Meerwasser. Am Rehberger Graben führt die geologische Wanderung zum Goetheplatz entlang, die spannende Stationen der Erdgeschichte verbindet. Infotafeln erklären gut verständlich die geologischen Phänomene am Weg. Der 7 km lange Rehberger Graben wurde Anfang des 18. Jahrhunderts angelegt, um die Bergwerke in Sankt Andreasberg mit dem Wasser zum Antrieb der Bergwerksmaschinen zu versorgen. Ein Teil davon lässt sich auch bei der Wanderung rund um den Oderteich aus erkunden, dann beträgt die Wegstrecke nach Sankt Andreasberg 4 km. Im Nationalparkhaus Sankt Andreasberg und im benachbarten Bergwerkmuseum Grube Samson wird die spannende Geschichte der Region und des Geoparks eindrucksvoll näher gebracht. Wer sich in kompakter Form über die Vielfalt der Harzer Gesteinswelt informieren möchte, dem sei auch ein Besuch auf dem gesteinskundlichen Lehrpfad Jordanshöhe empfohlen. Dort befindet sich eine Kollektion von etwa 40 Blöcken der harztypischsten Gesteine – Anfassen erlaubt.
Staunen und Erleben
Das Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus, direkt am Harzer-Hexen-Stieg zwischen Altenau und dem Brocken gelegen, bietet viele spannende Informationen zum Nationalpark und zu den geologischen Besonderheiten der Region.
Über die Grenzen hinaus bekannt wurde Torfhaus, nachdem Goethe, der damals anonym als Maler Weber den Harz bereiste, 1777 in Begleitung von Torfhaus-Förster Degen von hier zu seiner ersten Brockenbesteigung aufbrach. Die ungefähre Route von Degen und Goethe heißt heute Goetheweg – ihr genauer Verlauf ist jedoch unbekannt. Eine mögliche Wanderung führt entlang des artenreichen Großen Torfhausmoores, einem beeindruckenden wie selten gewordenen Lebensraum für Pflanzen und Tiere, und über den Wanderweg Kaiserweg auf rund 4 km Länge zurück zum Infozentrum. Eine etwas längere Wegstrecke – rund 14 km – müssen Wanderer auf einer geologischen Wanderung über den Acker-Rundwanderweg zur Nationalpark-Waldgaststätte Hanskühnenburg bewältigen. Der geologisch hoch spannende Bergrücken besteht fast vollständig aus weißen bis hellgrauen Quarziten. Das Ursprungsgestein war reiner Sand, der vor ca. 340 Mio. Jahren durch Erdbeben und untermeerische Rutschungen in eine Tiefseerinne verfrachtet und abgelagert wurde. Der Verlauf der damaligen Tiefseerinne entspricht dem Verlauf des heutigen Acker-Bruchberg-Höhenrückens.
- Text: Wandermagazin 154 - Sept/Okt 2010, www.wandermagazin.de
- Kompletter Text: "Auf den Spuren der Erdgeschichte" (PDF)






















oberharz.de