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Bergbaugeschichte

Sankt Andreasberg - ein montanhistorisches Kleinod im Nationalpark Harz

Im März 2002 erhielt die Bergstadt Sankt Andreasberg im Rahmen der „Tourismus-Offensive Harz 21“ das Label „Bergbau-Harz“ vom Harzer Verkehrsverband verliehen. Anlass für die Auszeichnung waren die weitgehend original erhaltene Bergbau-Infrastruktur, die bergbauhistorischen und innovativen Angebote und die Herausgabe entsprechender Publikationen zum Thema Bergbaugeschichte.

Jahrhundertelang prägte der Silberbergbau die Entwicklung der Bergstadt und das Leben der hiesigen Menschen, die fast ausschließlich in den Bergwerken und Schmelzhütten arbeiteten. Die erste urkundliche Erwähnung des hiesigen Bergbaus liegt aus dem Jahr 1487 vor.

Nach dem Erlass einer „Bergfreiheit“ durch die Hohnsteiner Grafen zogen seit den frühen 1520er Jahren wiederholt Bergleute aus St. Joachimsthal (heute Tschechien) und anderen Bergbauorten im Erzgebirge in den Oberharz, um hier nach Erzen zu schürfen. Bis in diese Zeit reichen die Anfänge der Silbererzgrube Samson (1521 bis 1910) zurück, die später erfolgreichste und mit 810 m tiefste Zeche des Reviers. 1520 kamen Bergleute in die Grafschaft Hohnstein im Harz, um nach Erzen zu schürfen. Die Entdeckung eines edlen Erzganges mit ungewöhnlich reichen Silbermineralen am Beerberg löste ein „großes Berggeschrei“ aus, das eine erste große Blüteperiode einleitete, während der die nach dem Schutzheiligen Andreas benannte Bergstadt entstand (1528).

Bereits vor Beginn des 30jährigen Krieges lagen fast alle Gruben infolge technischer und wirtschaftlicher Probleme danieder. Es dauerte mehr als 60 Jahre, ehe sich die Lage besserte und die Gruben erneut Ausbeute spendeten. Im Laufe von vier Jahrhunderten lieferten die Gruben insgesamt knapp 350 t Silbermetall.

Die Zeitreise zurück in die Bergbauvergangenheit beginnt für den heutigen Gast im Sankt Andreasberger Bergwerksmuseum Grube Samson, das seit 1987 als internationales historisches Maschinenbau-Denkmal anerkannt ist. Es handelt sich um die einzige alte Oberharzer Schachtanlage die nahezu vollständig in ihrem Originalzustand erhalten geblieben ist.

Hier kann der Besucher die einzige noch im Betrieb stehende Fahrkunst in der Welt bestaunen. Auf ihr fuhren die Bergleute seit 1837 in den 810 m tiefen Schacht ein und aus. Zur Grube gehören ein 9 m hohes Kehrrad, das zur Schachtförderung diente, und ein 12 m hohes Kunstrad, das früher die Fahrkunst antrieb aber auch heute noch in Bewegung vorgeführt wird. Das Betriebswasser für diese und 30 weitere Wasserräder lieferte der 1703 fertiggestellte 7,5 km lange Neue Rehberger Graben. An seinem Einlauf im oberen Odertal entstand als beeindruckendes Wasserreservoir der Oderteich (Bauzeit 1714-21), lange Zeit Deutschlands größte Talsperre. Diese inmitten des Nationalparks gelegenen, heute noch zur Stromerzeugung genutzten Wasserwirtschaftsanlagen, bieten als Teile des „Kulturdenkmals Oberharzer Wasserregals“ phantastische Wandermöglichkeiten („Wasser-Wanderwege“) .

Unweit des Bergwerksmuseums vermittelt der für Besucher zugängliche Tagesstollen der Grube Catharina Neufang einen Eindruck vom Bergbau des frühen 16. Jahrhunderts - der Zeit Georg Agricolas - als Stollen ausschließlich mit Schlägel und Eisen (Hammer und Meissel) hergestellt wurden. Der Besucher kann hier sowohl die seit 1660 praktizierte mühevolle „händische“ Bohrarbeit als auch die um 1880 eingeführte mechanisierte Bohrarbeit mit druckluftgetriebenen Bohrhämmern kennenlernen.

Seit Juli 2001 kann im Gaipel der Grube Samson das erste „Harzer-Roller“-Kanarien-Museum der Welt besichtigt werden. Hier gibt es nicht nur Relikte aus der früher weltberühmten Sankt Andreasberger Kanarienvogelzucht, sondern auch lebende, hier gezüchtete Kanarienvögel zu bewundern. In der Blütezeit im Mitte des 19. Jahrhunderts wurden jährlich Zehntausende der gefiederten Sänger von Sankt Andreasberg bis nach Amerika exportiert.

Eine weitere Attraktion für bergbaugeschichtlich interessierte Gäste bietet das vom Sankt Andreasberger Geschichtsverein in ehrenamtlicher Arbeit betriebene „Lehrbergwerk Grube Roter Bär“ (1988 gegründet). Es handelt sich um eine altes Eisenerzgrube aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, in welche die Gäste, ausgerüstet mit Helm, Kopflampe und Gummistiefeln 300 m weit einfahren können um Bergbau „live“ und „vor Ort“ zu erleben. Jeden Samstag arbeiten hier und auf der benachbarten Silbererzgrube Wennsglückt Hobbybergleute, um Altbergbau aufzuwältigen und zu erforschen.

Eingebunden ist das Privatbergwerk in einen 2 km langen geologisch-bergbauhistorischen Wanderweg, der vom Wäschegrundtal aus über den Beerberg ins Bärener Tal führt (Rundwanderweg). 39 tannenförmige gelbe Tafeln informieren an historischen Stätten, über Gruben, Schächte, Stollen, Aufschlaggräben, Erzabfuhrwege, Pochwerke und andere Zeugnisse des alten Silberbergbaus.

Gästen, die mehr über die Bergbaugeschichte erfahren möchten, seien geführte Wanderungen: „Zu den frühen Stätten des Sankt Andreasberger Bergbaus“, „Den hilfreichen Wassern auf der Spur“, „Auf den Spuren der Waldköhlerei“ oder „montanhistorische Stadtführungen“ empfohlen.

Sankt Andreasberg gilt als das mineralogische Schatzkästlein des Harzes. Die Gruben lieferten eine Fülle prächtiger Minerale und Kristallarten. Weltberühmtheit erlangten Silbererze und Kalkspatstufen. Im Bergwerksmuseum sowie im Kurhaus geben Ausstellungen Einblick in die bunte Welt der heimischen Mineralien. Für geologisch Interessierte sollte ein Besuch des „Gesteinskundlichen Lehrpfades / Jordanshöhe“ mit auf dem Programm stehen; 35 aus dem gesamten Harz zusammengetragene Großexponate informieren über die Vielfalt der Harzer Gesteinswelt und vermitteln anhand eines Begleitheftes Einblick in rund 400 Millionen Jahre Erdgeschichte.

Weitere Informationen:

›› Sankt Andreasberg
›› Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld
›› Grube Samson
›› Oberharzer Wasserregal